Ulrike Rodust

Für Schleswig-Holstein in Europa

4. Juli 2016

Fischerei/Pressemitteilung
Erfolgreicher Runder Tisch zur Zukunft der Ostseefischerei

Die jüngs­ten Zah­len des Inter­na­tio­na­len Rats für Mee­res­for­schung (ICES) zur kri­ti­schen Bestands­ent­wick­lung des west­li­chen Dorschs und die dar­aus resul­tie­ren­de Emp­feh­lung, die Fang­quo­te um mehr als 85 Pro­zent zu redu­zie­ren, stellt die Fische­rei­be­trie­be an der Ost­see vor teils exis­ten­ti­el­le Pro­ble­me. Um Poli­tik, Fische­rei und For­schung aus den betrof­fe­nen Bun­des­län­dern und aus dem Bund früh­zei­tig auch mit der euro­päi­schen Ebe­ne kurz­zu­schlie­ßen, hat die schles­wig-hol­stei­ni­sche Euro­pa­ab­ge­ord­ne­te Ulri­ke Rodust am Mon­tag (4. Juli 2016) zu einem „Run­den Tisch für die Zukunft der Ost­see­fi­sche­rei“ nach Lübeck ein­ge­la­den. Rodust freu­te sich über die kon­struk­ti­ve Dis­kus­si­on: „Mir war wich­tig, alle Betei­lig­ten an einen Tisch zu bekom­men. In die­ser für vie­le Fische­rei­be­trie­be äußerst kri­ti­schen Situa­ti­on müs­sen wir mit­ein­an­der reden statt über­ein­an­der. Nur so las­sen sich trag­fä­hi­ge Model­le ent­wi­ckeln, wie die Ost­see­fi­sche­rei die­se Kri­se durch­ste­hen kann.“ Die zwan­zig Teil­neh­mer des run­den Tisches prä­sen­tier­ten ers­te Lösungs­an­sät­ze und spra­chen über Mög­lich­kei­ten zur Unter­stüt­zung aus dem Euro­päi­schen Mee­res- und Fische­rei­fonds. „Das war ein erfolg­rei­cher Auf­takt, jetzt müs­sen wir wei­ter im Gespräch blei­ben. Des­halb haben wir bis zum Sep­tem­ber zwei wei­te­re Tref­fen ver­ein­bart. Vor dem Pro­blem der schlech­ten Bestands­ent­wick­lung des Dor­sches die Augen zu ver­schlie­ßen und wie bis­her wei­ter­zu­ma­chen, ist kei­ne Opti­on. Der gera­de ver­ab­schie­de­te Ost­see-Manage­ment­plan bie­tet Mög­lich­kei­ten zur vor­über­ge­hen­den finan­zi­el­len Unter­stüt­zung durch EU-Gel­der. Es ist des­halb bei­spiels­wei­se zu prü­fen, ob es so älte­ren Fischern ermög­licht wer­den kann, frü­her in den Ruhe­stand zu gehen. Gera­de weil ich dar­an glau­be, dass die Fische­rei in Schles­wig-Hol­stein eine Zukunft hat, ist es mir wich­tig, dafür zu sor­gen, dass beson­ders die jün­ge­ren Fischer eine Per­spek­ti­ve behal­ten“, so Rodust.

Dr. Sil­ke Schnei­der, Staats­se­kre­tä­rin, Minis­te­ri­um für Ener­gie­wen­de, Land­wirt­schaft, Umwelt und länd­li­che Räu­me Schles­wig-Hol­stein sag­te: „Es ist besorg­nis­er­re­gend, dass die Dorsch­be­stän­de so zurück­ge­gan­gen sind und es ist wich­tig, dass sie sich nach­hal­tig erho­len kön­nen. Das stellt aber die Fische­rei auch vor gro­ße Pro­ble­me. Zwar haben sich die ande­ren Bestän­de und ins­be­son­de­re die Platt­fi­sche gut ent­wi­ckelt und kön­nen einen klei­nen Aus­gleich bil­den. Aber wir müs­sen über­le­gen, wie man die Las­ten auf alle Schul­tern gleich­mä­ßig ver­teilt und eine gewis­se Umver­tei­lung von der Frei­zeit­fi­sche­rei zur Erwerbs­fi­sche­rei ist not­wen­dig. Sobald der Vor­schlag der Kom­mis­si­on vor­liegt, wird das MELUR die Betrof­fe­nen, Haupt- und Neben­er­werbs­fi­scher noch zu wei­te­ren Gesprä­chen ein­la­den um zu bera­ten, wie sich die Aus­wir­kun­gen abfe­dern las­sen.“

Dr. Till Back­haus, Minis­ter für Land­wirt­schaft, Umwelt und Ver­brau­cher­schutz Meck­len­burg-Vor­pom­mern erläu­ter­te: „Wir alle sind uns dar­über einig, dass eine nach­hal­ti­ge Bewirt­schaf­tung der Fisch­be­stän­de ins­be­son­de­re mit Blick auf den Schutz der Arten­viel­falt und den Erhalt gesun­der Gewäs­ser unab­ding­bar ist. Wir müs­sen aber auch dafür Sor­ge tra­gen, dass die vom Inter­na­tio­na­len Rat für Mee­res­for­schung emp­foh­le­nen Fang­quo­ten in sozio­öko­no­misch ver­träg­li­chen Schrit­ten umge­setzt wer­den. Die Kut­ter- und Küs­ten­fi­scher in Meck­len­burg-Vor­pom­mern erzie­len bis zu 70 % ihrer Erlö­se aus der Dorsch- und Herings­fi­sche­rei. Eine Redu­zie­rung der Fang­quo­te beim Dorsch vor der Küs­te von M-V um 88 % wür­de allein im Fang­jahr 2016/17 Ver­lus­te in Höhe von 900.000€ nach sich zie­hen. Statt der bis­lang erlaub­ten 821 Ton­nen, dürf­ten dann nur noch 98 Ton­nen Dorsch gefan­gen wer­den, was einem Fang­ver­bot gleich­kommt. Hier ste­hen Exis­ten­zen eines gesam­ten Berufs­stan­des auf dem Spiel! Das Land M-V hat das Bun­des­um­welt­mi­nis­te­ri­um des­halb bereits im Febru­ar dazu auf­ge­for­dert, wis­sens­ba­sier­te Nach­wei­se über die tat­säch­li­chen Aus­wir­kun­gen der Fische­rei zu erbrin­gen, auf deren Basis wir zu ein­ver­nehm­li­chen Lösun­gen, wie zeit­lich oder ört­lich dif­fe­ren­zier­ten Fang­ein­schrän­kun­gen kom­men kön­nen.“

 

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