Ulrike Rodust

Für Schleswig-Holstein in Europa

25. Oktober 2016

Fischerei
FISH-NEWS

Aktu­el­les aus dem Aus­schuss

Mit der Vor­stel­lung des Mehr­jah­res­plans für die Nord­see durch die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on bot sich mir in der Okto­ber­sit­zung des Fische­rei­aus­schus­ses die Mög­lich­keit, eine Viel­zahl von Fra­gen zu die­sem Dos­sier zu stel­len. Als Bericht­erstat­te­rin zum Nord­see­plan inter­es­sier­te mich bei­spiels­wei­se die Aus­wahl der Arten für den Plan und die Fra­ge der Ein­bin­dung Nor­we­gens. Neben einer wei­te­ren Dis­kus­si­on zu den Tech­ni­schen Maß­nah­men gab die­ser Sit­zung auch Dis­kus­si­ons­be­darf zu meh­re­ren dele­gier­ten Rechts­ak­ten der Kom­mis­si­on.

 

Ergeb­nis­pro­to­koll

PECH-Aus­schuss­sit­zung vom 10.–11. Okto­ber 2016

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TOP 5: Tech­ni­sche Maß­nah­men für die Erhal­tung der Fische­rei­res­sour­cen und den Schutz von Mee­re­söko­sys­te­men (2016/0074(COD)), Gabri­el MATO (EVP, ES)

Der Bericht wur­de von der Kom­mis­si­on am 19. April vor­ge­legt, der Bericht­erstat­ter Gabri­el MATO (EVP, ES) leg­te am 8. Sep­tem­ber ein ers­tes Arbeits­do­ku­ment vor. Der Bericht zu den tech­ni­schen Maß­nah­men ist ein zen­tra­ler Bericht zur Umset­zung der GFP.

MATO erläu­ter­te, dass der Bericht der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on noch eini­ge Unklar­hei­ten auf­wer­fe. So sehe die Kom­mis­si­on quan­ti­fi­zier­ba­re Zie­le als wich­tig an, jedoch sei­en die­se noch nicht klar und prä­zi­se genug for­mu­liert.

Des Wei­te­ren beton­te MATO, dass das Par­la­ment der Kom­mis­si­on kei­nen Blan­ko­scheck aus­stel­len dür­fe, so dass durch dele­gier­te Rechts­ak­te die Zie­le der Ver­ord­nung ohne Mit­spra­che des Par­la­ments geän­dert wer­den könn­ten.

Die Kom­mis­si­on stell­te klar, dass sie nur mit­tels gemein­sa­mer Emp­feh­lun­gen der Regio­nal­grup­pen die bestehen­den tech­ni­schen Maß­nah­men anpas­sen kön­ne; Zie­le und Vor­ga­ben der Ver­ord­nung hin­ge­gen wür­den durch dele­gier­te Rechts­ak­te nicht ver­än­dert. Die Kom­mis­si­on müs­se sich bei einer mög­li­chen Ände­run­gen der Anhän­ge aber stets an die Grund­sät­ze des all­ge­mei­nen Teils hal­ten.

MATO frag­te des Wei­te­ren, nach wel­chen Kri­te­ri­en die bestehen­den tech­ni­schen Maß­nah­men ver­ein­facht wer­den sol­len. So sei es bei­spiels­wei­se unklar, wel­che „alten“ Ver­ord­nun­gen wie betrof­fen sind. MATO bat die Kom­mis­si­on um die Über­sen­dung der ange­frag­ten Infor­ma­tio­nen. Die Kom­mis­si­on sag­te dies zu.

Dar­über hin­aus besteht laut MATO die Unklar­heit, war­um die unter­schied­li­chen Fische­rei­ge­bie­te, die betrof­fe­nen Fische­rei­ar­ten sowie die regio­na­len Fische­rei­or­ga­ni­sa­tio­nen im Berichts­ent­wurf unter­schied­lich behan­delt wür­den.

Die Kom­mis­si­on erläu­ter­te, dass der Bericht ver­schie­de­ne bestehen­de Ver­ord­nun­gen zusam­men­fas­se und so die ver­schie­de­nen spe­zi­fi­schen Gege­ben­hei­ten jedes ein­zel­nen See- und Mee­res­be­ckens berück­sich­ti­gen müs­se.

Aus­schuss­vor­sit­zen­der Alain CADEC (EVP, FR) beton­te die Not­wen­dig­keit zur Ver­ein­fa­chung und lob­te die Kom­mis­si­on für die bis­her geleis­te­te Arbeit.

Rena­ta BRIANO (S&D, IT) befür­wor­te­te eine the­men­spe­zi­fi­sche Her­an­ge­hens­wei­se, auf­ge­teilt nach inhalt­li­chen Schwer­punk­ten wie Ver­ein­fa­chung und Regio­na­li­sie­rung. Wenn alles „in einem Topf gewor­fen“ wer­de, kön­ne es schnell unüber­sicht­lich wer­den.

Peter VAN DALEN (EKR, NL) beton­te, dass der Brex­it nicht igno­riert wer­den dür­fe und befür­wor­tet die Regio­na­li­sie­rungs­be­stre­bun­gen des Berichts. Er bit­tet den Bericht­erstat­ter, dies kon­se­quent umzu­set­zen.

Nils TORVALDS (ALDE, FI) ent­geg­ne­te, dass die Aus­schuss­ar­beit nicht wegen des Brex­its aus­ge­setzt wer­den dür­fe, da der Pro­zess sich über meh­re­re Jah­re erstre­cken wird.

Annie SCHREIJER-PIERIK (EVP, NL) beton­te, dass der Bericht größ­te Bedeu­tung für die Fische­rei habe. Gera­de sozio­öko­no­mi­sche Über­le­gun­gen müs­sen dabei eine zen­tra­le Rol­le spie­len, da der Bericht für vie­le Unter­neh­men sehr wich­tig sei.

Der Bericht­erstat­ter MATO beton­te zum Abschluss, dass der Bericht ein Gleich­ge­wicht zwi­schen Ver­ein­fa­chung und Regio­na­li­sie­rung her­stel­len müs­se. Regio­na­li­sie­rung dür­fe nicht bedeu­ten, dass jeder Mit­glied­staa­ten machen kön­ne was er wol­le.

Indi­ka­ti­ves Datum für die Ple­narab­stim­mung (1. Lesung): 13.03.2017

 

TOP 11: Fest­le­gung eines lang­fris­ti­gen Plans für die Kabel­jau­be­stän­de und die Fische­rei­en, die die­se Bestän­de befi­schen (2012/0236(COD)), Dian­ne DODDS (NI, UK)

Der Text wur­de im Aus­schuss im Juli 2016 ange­nom­men, der Rat ver­ab­schie­de­te die­sen am 29. Sep­tem­ber ohne Ände­run­gen. Daher blieb es bei einer kur­zen Aus­spra­che in die­ser Aus­schuss­sit­zung.

Die Bericht­erstat­te­rin Dia­ne DODDS (NI, UK) dank­te dem Aus­schuss für die gute Zusam­men­ar­beit, dank der der Bericht recht­zei­tig für die Sit­zung des Fische­rei­rats im Dezem­ber fer­tig­ge­stellt wer­den kann.

Wei­te­res Vor­ge­hen: Am 9. oder 10. Novem­ber wird zunächst im Aus­schuss abge­stimmt, im Novem­ber dann im Ple­num.

Alain CADEC (EVP, FR) ergänz­te, dass es sich hier um die zwei­te Lesung han­del­te, und da es kei­ne Pro­ble­me im Rat und kei­ne Fra­gen im Aus­schuss gab, müs­se sich die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on auch nicht  dazu äußern.

Wei­te­res Vor­ge­hen:

Die Aus­schuss­ab­stim­mung erfolgt am 09. oder 10. Novem­ber, sodass die Ple­narab­stim­mung eben­falls noch im Novem­ber statt­fin­den kann

 

TOP 12 Mehr­jah­res­plan für die Grund­fisch­be­stän­de in der Nord­see und für die Fische­rei­en, die die­se Bestän­de befi­schen (2016/0238(COD)), Ulri­ke RODUST (S&D, DE))

Zu Beginn erläu­ter­te der Kom­mis­si­ons­ver­tre­ter die Her­an­ge­hens­wei­se der Kom­mis­si­on.

Das Ergeb­nis der Fol­gen­ab­schät­zung sei gewe­sen, dass mit dem aktu­el­len Rechts­rah­men (sprich die gel­ten­den Plä­ne für bestimm­te Arten in der Nord­see) die Zie­le der GFP-Reform für die Anlan­de­ver­pflich­tung und die Regio­na­li­sie­rung sowie zum Errei­chen von MSY bis 2020 nicht rea­li­sier­bar sei­en. Auch das Ergeb­nis der öffent­li­chen Kon­sul­ta­ti­on und die STECF-Ana­ly­sen hät­ten gezeigt, dass die Zie­le nur mit einem neu­en Gesetz­ge­bungs­vor­schlag erreicht wer­den könn­ten. Als wei­te­res wich­ti­ges Ele­ment der Fol­gen­ab­schät­zung hat man das Pro­blem der sog. „Cho­ke Spe­ci­es“ (d.h. Arten, für die die Quo­te in einer gemisch­ten Fische­rei als ers­te aus­ge­fischt ist und das wei­te­re Fischen ver­hin­dern könn­ten) auf­ge­grif­fen.

Von dem bereits ver­ab­schie­de­ten Mehr­jah­res­plan für die Ost­see sind vie­le Aspek­te über­nom­men wor­den sei­en. Es gibt aller­dings auch eini­ge wich­ti­ge Unter­schie­de. Hier­zu zäh­le vor allem, dass man sich auf Grund­fisch­ar­ten beschrän­ke und die­se im Vor­schlag in sie­ben unter­schied­li­che Grup­pen auf­ge­teilt hat. Ledig­lich für die Arten in den Grup­pen eins und zwei gebe es belast­ba­re wis­sen­schaft­li­che Daten, um Kor­ri­do­re für MSY fest­zu­le­gen, inner­halb derer die Quo­ten fest­ge­legt wer­den müs­sen.

Bei der anschlie­ßen­den Dis­kus­si­on zwi­schen den Aus­schuss­mit­glie­dern herrsch­te weit­ge­hend Über­ein­stim­mung, dass der Ost­see­plan eine gute Blau­pau­se für wei­te­re Mehr­jah­res­plä­ne sei. Ledig­lich Lin­néa ENGSTRÖM (Grüne/EFA, SV) und Anja HAZENKAMP (GUE, NL) spra­chen sich gegen die aus dem Ost­see­plan über­nom­me­ne Lösung der zwei Kor­ri­do­re an Wer­te­be­rei­chen aus, wel­che eine Über­fi­schung zulas­se. Sie waren der Mei­nung, dass zur Errei­chung der Zie­le der GFP-Reform F(MSY) als Ober­gren­ze bestehen blei­ben müs­se. Zudem wie­sen sie dar­auf hin, dass die durch den Minis­ter­rat für die Ost­see ver­ein­bar­ten Quo­ten für den West­dorsch nicht die Zie­le des Ost­see­plans respek­tier­ten.

Der Ver­tre­ter der Kom­mis­si­on lehn­te in sei­nen Ant­wor­ten ab, die Dis­kus­si­on aus dem Ost­see­plan um die zwei Kor­ri­do­re-Lösung und der Mög­lich­keit einer Befischung ober­halb von F(MSY) wie­der auf­zu­ma­chen.

Wäh­rend sich die Bericht­erstat­te­rin (Ulri­ke RODUST, S&D, DE) und der Schat­ten­be­richt­erstat­ter der EVP-Frak­ti­on (Jens GIESEKE, EVP, DE) für zügi­ge Arbei­ten an dem Vor­schlag ein­setz­ten, war dem Schat­ten­be­richt­erstat­ter der EKR-Frak­ti­on (Peter VAN DALEN, EKR, NL) die zeit­li­che Nähe der Frist für Ände­rungs­an­trä­ge (5 April 2017) und des mög­li­chen Beginns von Brex­it-Ver­hand­lun­gen ein Dorn im Auge (ver­mut­lich März 2017).

Der Kom­mis­si­ons­ver­tre­ter gab zu beden­ken, dass die Arbei­ten für den Nord­see­plan lan­ge vor dem Brex­it-Votum begon­nen wur­den. Den Zeit­plan woll­te er jedoch nicht dis­ku­tie­ren.

Des Wei­te­ren unter­strich VAN DALEN die gro­ße Aus­wir­kung, wel­che „Cho­ke Spe­ci­es“ auf die Fische­rei in der Nord­see hät­ten und frag­te die Kom­mis­si­on, wo genau im Vor­schlag die­sem Pro­blem Rech­nung getra­gen wor­den sei. Er begrüß­te zwar den gene­rel­len Ansatz der zwei Kor­ri­do­re für Arten­grup­pen eins und zwei, bat jedoch um nähe­re Klä­rung, wann wel­cher Kor­ri­dor grei­fe und ob die Daten ent­spre­chend neu­er wis­sen­schaft­li­cher Ergeb­nis­se mög­lichst schnell und ein­fach geän­dert wer­den könn­ten.

Der Kom­mis­si­ons­ver­tre­ter unter­strich, dass der Vor­schlag nicht die Ver­mei­dung der „Cho­ke Species“-Problematik garan­tie­ren kön­ne, er jedoch den Rat mehr Spiel­raum gebe, um das Pro­blem zu berück­sich­ti­gen und die Effek­te abzu­mil­dern.

Ulri­ke RODUST hat­te eine Viel­zahl von Fra­gen, u.a. in Bezug auf die genaue Wahl der Arten, die Ver­ein­bar­keit der Ein­schrän­kung auf demer­sa­le Arten mit einem Öko­sys­tem­an­satz und ob alle ande­ren Optio­nen (z.B. Quo­ten­tausch, erhöh­te Selek­ti­vi­tät etc) zur Ver­mei­dung der Unter­aus­nut­zung von Quo­ten aus­ge­reizt sei­en.

In der beschränk­ten Ant­wort­zeit ging der Kom­mis­si­ons­ver­tre­ter nur auf die Fra­ge nach der Wahl der Arten ein. Hier­zu sag­te er, dass die Kom­mis­si­on durch Par­la­ment und Rat in der Ver­gan­gen­heit auf­ge­for­dert wur­de zu prü­fen, ob durch Plä­ne, wel­che sich auf eini­ge Ziel­ar­ten kon­zen­trier­ten, die ande­ren Arten auto­ma­tisch mit­ge­schützt wür­den. Die wis­sen­schaft­li­chen Ergeb­nis­se zu die­ser Fra­ge hät­ten die­se Fra­ge ver­neint und somit muss­te der Plan die in den unter­schied­li­chen Grup­pen gelis­te­ten Grund­fisch­ar­ten mit­be­rück­sich­ti­gen.

Die wei­te­ren Fra­gen wer­den auf Bit­te von Ulri­ke RODUST durch die Kom­mis­si­on schrift­lich beant­wor­tet.

Wei­te­res Ver­fah­ren: Eine zwei­te Aus­spra­che erfolgt im Novem­ber, Der Berichts­ent­wurf wird im Febru­ar 2017 vor­ge­legt, die Abstim­mung im Aus­schuss ist für Mai 2017 geplant.

 

TOP 20 Erläu­te­run­gen der Kom­mis­si­on zu dele­gier­ten Rechts­ak­ten und Durch­füh­rungs­rechts­ak­ten

- Rück­wurf­plan und Bestands­er­hal­tungs­maß­nah­men

Die Abge­ord­ne­ten des Fische­rei­aus­schus­ses dis­ku­tier­ten die dele­gier­ten Rechts­ak­te zu einem Rück­wurf­plan für bestimm­te demer­sa­le Arten in der Nord­see sowie zu Bestands­er­hal­tungs­maß­nah­men zum Schutz der Mee­res­um­welt in der Nord­see.

Für den Rück­wurf­plan wur­den Beden­ken ange­führt, da ein Arti­kel Inter­pre­ta­ti­ons­spiel­raum lässt. Die Zustim­mung des Par­la­ments ist vor­be­halt­lich eines Kor­ri­gen­dums der Kom­mis­si­on.

Für den zwei­ten dele­gier­ten Rechts­akt wur­de eine Ver­län­ge­rung der Ein­spruchs­frist bean­tragt.

Dies hängt damit zusam­men, dass die Puf­fer­zo­nen um die Riff­ge­bie­te im schwe­di­schen Schutz­ge­biet „Brat­ten“, in denen die Fische­rei ver­bo­ten wer­den soll, nicht breit genug aus­fal­len und nicht den wis­sen­schaft­li­chen Emp­feh­lun­gen ent­spre­chen.

Die Aus­schuss­mit­glie­der wer­den daher in der ver­blei­ben­den Zeit das wei­te­re Vor­ge­hen dis­ku­tie­ren.

Nächs­te Sit­zung: 09.11.2016 um 09:00 Uhr

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