Ulrike Rodust

Für Schleswig-Holstein in Europa

30. Juni 2016

Fischerei
FISH-NEWS

Aktu­el­les aus dem Aus­schuss

In der Juni-Tagung des Fische­rei­aus­schus­ses stell­te der Gene­ral­di­rek­tor der DG Mare die natio­na­len EMFF-Arbeits­pro­gram­me vor. Außer­dem wur­de der Ver­ord­nungs­vor­schlag über die nach­hal­ti­ge Bewirt­schaf­tung der Außen­flot­ten dis­ku­tiert und es fand die zwei­te Aus­spra­che über die Fische­rei in Regio­nen in äußers­ter Rand­la­ge statt. Zu die­sem The­ma habe ich die Bericht­erstat­tung über­nom­men. Hier das Pro­to­koll der Sit­zung:

PECH-Aus­schuss­sit­zung vom 15.–16.06.2016

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TOP 6 - Vor­stel­lung der EMFF-Arbeits­pro­gram­me der Mit­glied­staa­ten durch die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on

Hin­ter­grund: Der Gene­ral­di­rek­tor der GD Mare, João Agui­ar Mach­a­do, stell­te die Arbeits­pro­gram­me der Mit­glied­staa­ten vor. Der EMFF ist der Fonds für die Mee­res- und Fische­rei­po­li­tik der EU für den Zeit­raum 2014–2020. Gemäß Arti­kel 23 der Ver­ord­nung (EU) 508/2014 über den EMFF stellt jedes Land ein ope­ra­tio­nel­les Pro­gramm mit sei­nen Plä­nen für die Ver­wen­dung der Mit­tel auf. Die in der Aus­schuss­sit­zung vor­ge­stell­ten Arbeits­pro­gram­me ent­hal­ten eine Beschrei­bung der zu finan­zie­ren­den natio­na­len Akti­vi­tä­ten und die mit jeder Akti­vi­tät ange­streb­ten Zie­le. Außer­dem ent­hal­ten die Pro­gram­me den ver­an­schlag­ten Finanz­be­trag, einen indi­ka­ti­ven Zeit­plan sowie Ein­zel­hei­ten zur geplan­ten Durch­füh­rung. Sobald die Kom­mis­si­on die Arbeits­pro­gram­me gebil­ligt hat, müs­sen die natio­na­len Behör­den ent­schei­den, wel­che Pro­jek­te finan­ziert wer­den.

Vor­stel­lung: Gene­ral­di­rek­tor Mach­a­do berich­te­te, dass die Mit­glied­staa­ten alle Finan­zie­rungs­prio­ri­tä­ten des EMFF unter­stüt­zen. Größ­ter Anteil der Maß­nah­men ver­an­schla­gen die Mit­glied­staa­ten mit 26,9 % für die Fische­rei (Prio­ri­tät 1). Danach fol­gen Maß­nah­men der Aqua­kul­tur (21 %, Prio­ri­tät 2) sowie Pro­jek­te zur Ver­bes­se­rung der Kon­trol­le und Daten­er­he­bung (19,1 %, Prio­ri­tät 3). Ein Groß­teil der Inves­ti­tio­nen soll auch in die sozia­le Dimen­si­on und ter­ri­to­ria­le Kohä­si­on der Gemein­sa­men Fische­rei­po­li­tik flie­ßen (9%, Prio­ri­tät 4). Wäh­rend alle Arbeits­pro­gram­me bis Ende 2015 an die Kom­mis­si­on gemel­det wur­den, feh­len bei vie­len noch die Umset­zungs­vor­aus­set­zun­gen zum Erhalt der Gel­der — der Umset­zungs­pro­zess ist mitt­ler­wei­le um zwei Jah­re ver­zö­gert. Wenn die Mit­glied­staa­ten das nicht bis Ende 2016 an die Kom­mis­si­on gemel­det haben, ver­lie­ren die Län­der die Finan­zie­rungs­mög­lich­kei­ten durch den EMFF. Die Mit­glied­staa­ten müs­sen also drin­gend die Vor­aus­set­zun­gen für die Umset­zung der Arbeits­pro­gram­me schaf­fen, erklär­te Herr Mach­a­do.

Ulri­ke RODUST (S&D, DE) zeig­te sich erstaunt, dass der Bereich der Inno­va­tio­nen unter den Erwar­tun­gen der Kom­mis­si­on lie­ge (1,36 % der Pro­jek­te). RODUST frag­te, ob es ver­ständ­li­che Infor­ma­tio­nen für die Fischer gebe, wor­auf Herr Mach­a­do ant­wor­te­te, dass es Leit­fä­den für die EMFF-För­de­run­gen in allen EU-Amts­spra­chen gebe und die­se nur von den Mit­glied­staa­ten ver­teilt wer­den müss­ten.

TOP 7: Vor­stel­lung der Stu­die: „Die Fische­rei- und Aqua­kul­tur­märk­te: die Wert­schöp­fungs­ket­te, die Ver­mark­tung und die Kenn­zeich­nung — der Fall der hand­werk­li­chen Fische­rei“

Die Auto­rin der Stu­die, Hel­ga Josupeit, stell­te Mög­lich­kei­ten vor, wie die Situa­ti­on der hand­werk­li­chen Fische­rei ver­bes­sert wer­den kann. Der Anteil der hand­werk­li­chen Fische­rei wird auf 25 % der gesam­ten EU-Pro­duk­ti­on geschätzt, 60 % aller Beschäf­tig­ten sind in der hand­werk­li­chen Fische­rei tätig. Pro­ble­ma­tisch sei, dass die Gesamt­pro­duk­ti­on in der EU sinkt, obwohl der Pro-Kopf-Ver­brauch bei 21 kg pro Per­son seit 2006 sta­bil bleibt. Dar­über hin­aus herr­sche eine hohe Markt­kon­zen­tra­ti­on und star­ker Wett­be­werb, wodurch die hand­werk­li­che Fische­rei noch mehr mit (impor­tier­ten) Dis­count-Pro­duk­ten kon­kur­rie­ren müs­se. Den­noch bestehen Mög­lich­kei­ten, die Stär­ken der klei­nen und hand­werk­li­chen Fische­rei bes­ser her­vor­zu­he­ben. Dazu gehö­re vor allem die Nähe zum Ver­brau­cher, durch die fri­sche und authen­ti­sche Pro­duk­te ohne gro­ße Trans­port­we­ge zum Kun­den gelan­gen kön­nen. Maß­nah­men, um die­se Vor­tei­le bes­ser nut­zen zu kön­nen, bestehen laut der Stu­die vor allem in einer bes­se­ren Kenn­zeich­nung hand­werk­li­cher Pro­duk­te (bspw. durch ein EU-wei­tes Eco­la­bel), in einer bes­se­ren Infor­ma­ti­on und Auf­klä­rung z. B. an Schu­len und Uni­ver­si­tä­ten, oder der effi­zi­en­te­ren Nut­zung von För­der­maß­nah­men (sie­he TOP 6). Des Wei­te­ren müs­se eine sta­tis­ti­sche Daten­bank auf­ge­baut wer­den, um Prä­fe­ren­zen der Ver­brau­cher aus­wer­ten zu kön­nen. Hier erwähn­te die Kom­mis­si­on, dass gera­de einen Euro­ba­ro­me­ter ins Leben geru­fen habe, um die Gewohn­hei­ten und die Wahr­neh­mung der Kon­su­men­ten zu unter­su­chen. Die Ergeb­nis­se wer­den in naher Zukunft ana­ly­siert, stra­te­gisch ver­ar­bei­tet und dann dem Fische­rei-Aus­schuss vor­ge­stellt.

Alle Aus­schuss­mit­glie­der bedank­ten sich bei der Auto­rin und waren sich einig über die schwie­ri­ge Situa­ti­on der klei­nen und hand­werk­li­chen Fische­rei. Die Ver­mark­tung die­ser Pro­duk­te müs­se ver­bes­sert wer­den, sodass die­se nicht mit Bil­lig­im­por­ten kon­kur­rie­ren müs­sen.

Cla­ra AGUILERA GARCÍA (S&D, ES) bedau­er­te es, dass der nach­hal­tigs­te Sek­tor der Fische­rei zurück­geht. Der Wie­der­erken­nungs­fak­tor die­ser Nach­hal­tig­keit der hand­werk­li­chen Fische­rei müs­se durch eine bes­se­re und ein­fa­che­re Kenn­zeich­nung ver­bes­sert wer­den.

João FERREIRA (GUE/NGL, PT) kri­ti­siert die Kür­zun­gen der Mit­tel für hand­werk­li­che Fische­rei. Er kön­ne nicht nach­voll­zie­hen, dass der jet­zi­ge Rechts­rah­men ide­al sei für die­se Art Fische­rei. Die Stu­die müs­se nun als Aus­gangs­punkt für effek­ti­ve Refor­men gel­ten.

Wer­ner KUHN (EVP, DE) betont, dass hand­werk­li­che Erzeu­ger­ge­mein­schaf­ten wett­be­werbs­fä­hig sein müs­sen; dazu benö­ti­gen die Fischer ange­mes­se­ne finan­zi­el­le Unter­stüt­zung

TOP 9: Manage­ment der Fische­rei­flot­ten in den Regio­nen äußers­ter Rand­la­ge (2016/2016(INI)), Ulri­ke RODUST (S&D, DE)

Art des Berichts: Bei dem Bericht han­delt es sich um einen Eigen­in­itia­tiv­be­richt des Euro­päi­schen Par­la­ments. Das EP emp­fiehlt hier­in der Kom­mis­si­on und den Mit­glied­staa­ten bestimm­te Maß­nah­men zu ergrei­fen.

Hin­ter­grund: Bei den Regio­nen in äußers­ter Rand­la­ge han­delt es sich um die Inseln und Ter­ri­to­ri­en eini­ger Mit­glied­staa­ten, die weit vom euro­päi­schen Kon­ti­nent ent­fernt lie­gen. Vie­le Wirt­schafts­zwei­ge die­ser Regio­nen, unter ande­ren auch die Fische­rei, ste­hen auf­grund der Abge­le­gen­heit vor beson­de­ren Her­aus­for­de­run­gen.

Mit dem Bericht wird der Fische­rei­aus­schuss Vor­schlä­ge für Maß­nah­men aus­ar­bei­ten, die die Fische­rei in den Regio­nen äußers­ter Rand­la­ge unter­stüt­zen und för­dern kön­nen.

Aus­spra­che: Der letz­te Aus­tausch im Aus­schuss fand am 22. März statt. Die Bericht­erstat­te­rin Ulri­ke RODUST (S&D, DE) stellt die Kern­the­men des Berichts vor: Ana­ly­se des Ein­flus­ses von Abkom­men mit Dritt­staa­ten auf Regio­nen äußers­ter Rand­la­ge, Ein­flüs­se der Umwelt sowie Aus­tausch von best prac­tices. Die Inhal­te sei­en hin­ge­gen noch nicht in Stein gemei­ßelt. RODUST rief alle Mit­glie­der und Akteu­re dazu auf, Infor­ma­ti­ons­ma­te­ri­al zu über­mit­teln.

Youn­ous OMARJEE (GUE/NGL, FR), Bericht­erstat­ter für die ent­spre­chen­de Stel­lung­nah­me im REGI-Aus­schuss, bedank­te sich bei Frau RODUST für ihr Enga­ge­ment für die Regio­nen äußers­ter Rand­lan­ge. Der REGI-Aus­schuss begrü­ße aus­drück­lich die­sen INI-Bericht. Momen­tan bestehen noch vie­le Hin­der­nis­se u. a. bezüg­lich des Markt­zu­gangs. Der Bericht müs­se der regio­na­len Ent­wick­lung die­nen und tat­säch­lich den Fischern vor Ort zugu­te­kom­men. Der Fische­rei­sek­tor dort sei noch nicht aus­rei­chend ent­wi­ckelt.

Cláu­dia MONTEIRO DE AGUIAR (EVP, PT) sag­te, die Flot­ten der Gebie­te stün­den vor gro­ßen Pro­ble­men. Es müs­sen Bedin­gun­gen geschaf­fen wer­den, damit die Fischer in Sicher­heit arbei­ten kön­nen.

Wei­te­res Ver­fah­ren: Es folgt die wei­te­re Vor­be­rei­tung des Berichts­ent­wurfs, Ende Juni wird die kon­kre­te Struk­tur des Berichts fest­ge­legt. Am 28. Juni fin­det die ers­te Sit­zung der Schat­ten­be­richt­erstat­ter statt, bevor am 10./11. Okto­ber das Arbeits­do­ku­ment im Aus­schuss vor­ge­stellt wird. Anfang 2017 wird der Berichts­ent­wurf im Aus­schuss prä­sen­tiert, die Abstim­mung fin­det im März 2017 statt.

TOP 12: Bericht über die Aus­schuss­rei­se nach Dan­zig, Polen vom 17. bis 19. Mai 2016.

Jaros­ław WAŁĘSA (EVP, PL) berich­te­te über die Aus­schuss­rei­se nach Polen und bedankt sich bei Ulri­ke RODUST (S&D, DE) und Fran­cis­co MILLÁN MON (EVP, ES) für die Teil­nah­me. Dort fan­den u. a. Tref­fen mit Mee­res­wis­sen­schaft­lern und Ver­tre­tern der Regio­nen statt, die pol­ni­sche Regie­rung war nicht ver­tre­ten. Fer­ner wur­de ein Stör­auf­zuchts­zen­trum sowie fisch­ver­ar­bei­ten­de Unter­neh­men besucht.

RODUST bedank­te sich bei WAŁĘSA für die sehr gute und inter­es­san­te Rei­se und beton­te ihr Bedau­ern, dass die pol­ni­sche Regie­rung nicht ver­tre­ten war. Der pol­ni­schen Ver­wal­tung sei es eben­so wenig gestat­tet gewe­sen, dar­an teil­zu­neh­men. Dem pol­ni­schen Fische­rei­sek­tor sei­en dage­gen die Bezie­hun­gen zur EU sehr wich­tig.

TOP 13: Anhö­rung zur „Bedeu­tung der Fische­rei (sowohl EU als auch lokal) für Frau­en in Dritt­län­dern“

Die gemein­sa­me Anhö­rung mit dem DEVE- und FEMM-Aus­schuss war zwei­tei­lig auf­baut. Im ers­ten Teil berich­te­ten Jen­ni­fer GEE (FAO, Welt­ernäh­rungs­pro­gramm der UNO) und Mari­et­te CORREA (ICSF, Inter­na­tio­nal Collec­tive in Sup­port of Fishwor­kers, Indi­en) über die gegen­wär­ti­ge Situa­ti­on und zukünf­ti­ge Per­spek­ti­ve der Frau­en in Dritt­staa­ten. Frau­en haben dem­nach oft eine Drei­fach­be­las­tung aus Fami­lie, Fische­rei und Gesell­schaft zu meis­tern, und spie­len gleich­zei­tig eine Schlüs­sel­rol­le in der loka­len Fische­r­ei­ge­mein­schaft. Zusätz­li­che Belas­tun­gen tre­ten durch den Kli­ma­wan­del und Über­flu­tun­gen auf, wodurch sich die Migra­ti­ons­mus­ter ändern. CORREA stell­te her­aus, dass sich die Situa­ti­on der Frau­en gera­de in Indi­en ver­schlech­tert habe. Der Zugang zu Res­sour­cen gestal­te sich zuneh­mend schwie­rig, dar­über hin­aus müs­sen Frau­en bes­ser in Ent­schei­dungs­pro­zes­se ein­ge­bun­den wer­den.

Im zwei­ten Teil stell­te Miche­li­ne DION SOMPLEHI vom afri­ka­ni­schen Ver­band der hand­werk­li­chen Fische­rei (CAOPA, Afri­can Con­fe­de­ra­ti­on of Artis­anal Fishe­ries Pro­fes­sio­nal Orga­ni­za­ti­ons) die Rol­le der exter­nen Dimen­si­on der Fische­rei­po­li­tik hin­sicht­lich der Ver­bes­se­rung der Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen von Frau­en vor. Kern­the­se des Vor­trags war, dass die nach­hal­ti­gen part­ner­schaft­li­chen Fische­rei­ab­kom­men der EU (SFPA) sehr trans­pa­rent und gut ver­wal­tet wer­den und Frau­en in Dritt­län­dern unter­stüt­zen. Pro­ble­ma­tisch sei­en jedoch nied­ri­ge Prei­se für Fische, der vor allem auch durch ille­ga­le Fische­rei gedrückt wer­den. Oft wird der Fisch direkt von die­sen Schif­fen ver­kauft, was für Betei­li­gung der Frau­en an der Wert­schöp­fung nicht gut ist. Der Fisch müs­se ange­lan­det wer­den. Hier sei noch Unter­stüt­zung not­wen­dig.

TOP 16: Work­shop der the­ma­ti­schen Abtei­lung B über „das Rück­wurf­ver­bot und sein Ein­fluss auf MSY in der Fische­rei“

Der Work­shop umfass­te drei Stu­di­en zu den Aus­wir­kun­gen des Rück­wurf­ver­bots, je eine für Atlan­tik (Dr. Raul Prel­le­zo, AZTI Spa­ni­en), Ost­see (Dr. Sarah Kraak, Thü­nen Insti­tut Deutsch­land) und Nord­see (Prof. Cla­ra Ulrich, DTU Aqua Däne­mark) sowie eine Ver­gleichs­stu­die.

Nord­see: Gene­rell gilt, dass das MSY-Kon­zept ein rela­tiv ein­fa­ches theo­re­ti­sches Kon­zept ist, das jedoch schwer in der Pra­xis umzu­set­zen ist. Die Natur ändert sich stän­dig, und die Bestän­de sind vie­len Ein­fluss­fak­to­ren aus­ge­setzt, die nur schwer ein­zu­schät­zen sind. Auch der Stand der Wis­sen­schaft ändert sich qua­si täg­lich, was auch dann wie­der Aus­wir­kun­gen u. a. auf die Refe­renz­wer­te hat. Es besteht jedoch kein ver­all­ge­mei­ner­ba­rer Zusam­men­hang zwi­schen dem Rück­wurf­ver­bot und MSY. Es sei jedoch klar, dass das Rück­wurf­ver­bot zunächst „wie eine Peit­sche ohne Zucker­brot“ wir­ke, da die Pro­fi­te ver­rin­gert und die Kos­ten erhöht wer­den. Mit­tel­fris­tig kommt das „Zucker­brot“ aber in Form von gesün­de­ren Bestän­den. In der Nord­see hat das Rück­wurf­ver­bot vor allem posi­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf fle­xi­ble und spe­zia­li­sier­te Fische­rei­en; gro­ße Fort­schrit­te wer­den auch beim selek­ti­ven Fischen gemacht. Die Aus­wir­kun­gen des Ver­bots auf das gesam­te Öko­sys­tem sind noch nicht fest­stell­bar.

Atlan­tik: Hier stellt die Anlan­de­ver­pflich­tung nicht das ein­zi­ge wich­ti­ge Mit­tel zum Errei­chen von MSY dar, es sei ein Paket an Maß­nah­men not­wen­dig. Eine zen­tra­le Aus­wir­kung sind „cho­ke spe­ci­es“, die dazu füh­ren kön­nen, dass Flot­ten ihre Fang­tä­tig­keit unter­bre­chen müs­sen, obwohl für ande­re Bestän­de noch Quo­ten vor­han­den sind (Cho­ke-Effekt). Auch hier gilt, dass das Öko­sys­tem äußerst kom­plex ist, was es schwer macht, seriö­se Vor­her­sa­gen zu tref­fen.

Ost­see: Die Ost­see ist die ers­te Regi­on, in der seit Anfang 2015 die Anlan­de­ver­pflich­tung umge­setzt wird. Hier wird haupt­säch­lich Dorsch, Hering und Sprot­te gefischt, es gibt dabei gerin­ge Bei­fang­pro­ble­me. Aus­ge­schlos­sen wer­den kön­nen nega­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf ande­re Lebe­we­sen, z. B. Aas fres­sen­de Tie­re, da sich die durch das Rück­wurf­ver­bot neu ange­lan­de­te Men­ge nur auf 2% der Gesamt­an­lan­dung begrenzt. Es gebe aller­dings noch offe­ne Fra­gen hin­sicht­lich der Umset­zung und Kon­trol­le, des Berichts­we­sens, Obser­vie­rung durch Kame­ras oder Schät­zun­gen. Auch die Aus­wir­kun­gen der über eine Mil­li­on Frei­zeit­fi­scher in der Ost­see sind noch nicht erforscht.

Alain CADEC (EVP, FR) betont, dass die Umset­zung gro­ße Pro­ble­me schaf­fe, gera­de bei den limi­tie­ren­den Arten. Für vie­le Arten feh­len wis­sen­schaft­li­che Daten. Es sei not­wen­dig, die Kon­zep­te zu klä­ren.

Ulri­ke RODUST (S&D, DE) bestä­tigt, dass es einen Ver­än­de­rungs- und Ver­bes­se­rungs­be­darf gebe. Ein Kom­pro­miss der öko­no­mi­schen Sicht der Fischer mit dem Nach­hal­tig­keits­grund­sät­zen sei schwie­rig, den­noch sei­en wir auf einem guten Weg, beton­te RODUST. Erfreut sei sie, dass durch das Rück­wurf­ver­bot kei­ne ande­ren Tie­re geschä­digt wer­den (z. B. Aas­fres­ser) und stell­te klar, dass Fischer Unter­stüt­zung erhal­ten, wenn sie auf selek­ti­ves Fang­ge­rät umstel­len. Des Wei­te­ren sei sie dank­bar auf den Hin­weis zur Frei­zeit­fi­sche­rei, deren Aus­wir­kun­gen bis­her noch nicht aus­rei­chend unter­sucht wor­den sei­en.

Cla­ra AGUILERA GARCÍA (S&D, ES) beton­te eben­falls, dass ver­läss­li­che­re und bes­se­re Daten über die Aus­wir­kun­gen der Frei­zeit­fi­sche­rei not­wen­dig sei­en.

TOP 17: Vor­schlag für eine Ver­ord­nung des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates über die nach­hal­ti­ge Bewirt­schaf­tung von Außen­flot­ten und zur Auf­he­bung der

Ver­ord­nung (EG) Nr. 1006/2008 des Rates (2015/0289(COD)), Lin­néa ENGSTRÖM (Grüne/EFA, SV)

Art des Berichts: Der Bericht wird zum Ver­ord­nungs­vor­schlag der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on ange­fer­tigt. Er ist die Grund­la­ge für die Posi­ti­on des Euro­päi­schen Par­la­ments zum Kom­mis­si­ons­vor­schlag.

Hin­ter­grund: Der Vor­schlag stellt eine Anpas­sung der Fang­ge­neh­mi­gungs­ver­ord­nung (Ver­ord­nung (EG) Nr. 1006/2008 des Rates) an die neu­en Anfor­de­run­gen der refor­mier­ten Gemein­sa­men Fische­rei­po­li­tik (GFP), die Kon­troll­ver­ord­nung sowie den inter­na­tio­na­len Akti­ons­plan der FAO zum Kampf gegen IUU und Recht­spre­chung des Inter­na­tio­na­len See­ge­richts­hofs dar.

Die Bestim­mun­gen der Ver­ord­nung sol­len für alle Außen­flot­ten der EU glei­cher­ma­ßen gel­ten, unab­hän­gig davon, ob sie im Rah­men eines Fische­rei­ab­kom­mens, einer direkt durch ein Dritt­land erteil­ten Geneh­mi­gung, im Rah­men einer regio­na­len Fische­rei­or­ga­ni­sa­ti­on oder auf Hoher See fischen.

Ins­be­son­de­re soll durch die Ver­ord­nung ein Rah­men geschaf­fen wer­den, der für die Ertei­lung von Fan­g­li­zen­zen für die Außen­flot­ten für alle EU-Flag­gen­staa­ten die glei­chen Bedin­gun­gen schafft und miss­bräuch­li­ches Umflag­gen ver­hin­dert. Die Kom­mis­si­on soll ein­grei­fen kön­nen, wenn sie in der Ertei­lung einer Lizenz eine Ver­let­zung der Bestim­mun­gen der Ver­ord­nung sieht. Durch stär­ke­re Trans­pa­renz­re­geln soll schnel­ler nach­voll­zo­gen wer­den, wel­ches Fische­rei­fahr­zeug wann, wo und auf wel­che Arten fischt.

Die Mit­glied­staa­ten haben sich im Rah­men der Agrar- und Fische­rei­rats­sit­zung vom 15. Febru­ar 2016 bereits zu dem Kom­mis­si­ons­vor­schlag aus­ge­tauscht. Der Vor­schlag wird grund­sätz­lich als effek­ti­ves Mit­tel im Kampf gegen die ille­ga­le, nicht gemel­de­te und unre­gu­lier­te Fische­rei (IUU) sowie neben den IUU- und Kon­troll­ver­ord­nun­gen als einer der drei Pfei­ler der GFP-Reform gese­hen. Aller­dings gibt es Beden­ken bezüg­lich des Ver­wal­tungs­auf­wands und der weit­rei­chen­den Kom­pe­ten­zen für die Kom­mis­si­on, die der Ver­ord­nungs­vor­schlag vor­sieht.

Wei­te­res Ver­fah­ren: Im wei­te­ren Ver­lauf wird die Bericht­erstat­te­rin einen Berichts­ent­wurf vor­be­rei­ten und gemein­sam mit dem Aus­schuss einen Bericht mit Ände­run­gen zum Kom­mis­si­ons­vor­schlag anfer­ti­gen. Die Abstim­mung des Berichts ist am 10. Okto­ber, die Ple­narab­stim­mung am 22. Novem­ber vor­ge­se­hen.

Nächs­te Sit­zung: 11.7.2016, 15.00 Uhr

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