Ulrike Rodust

Für Schleswig-Holstein in Europa

19. September 2017

Fischerei
FISH-NEWS

Aktu­el­les aus dem Aus­schuss

Neben dem Bericht über die Aus­schuss­rei­se im Juli nach Meck­len­burg-Vor­pom­mern, bei der wir u.a. das Thü­nen-Insti­tut, die Frei­zeit­fi­scher in War­ne­mün­de und den ver­ar­bei­ten­den Betrieb Euro­bal­tic in Sass­nitz besucht haben, war vor allem der Bericht der Kom­mis­si­on zum Zustand der Bestän­de inter­es­sant. Einer­seits sind vie­le posi­ti­ve Ent­wick­lun­gen zu ver­zeich­nen und mehr und mehr Bestän­de wer­den gemäß dem höchst­mög­li­chen Dau­er­er­trag bewirt­schaf­tet. Ande­rer­seits gibt es jedoch noch zahl­rei­che daten­ar­me Bestän­de, bei denen die wis­sen­schaft­li­che Grund­la­ge für die Fest­le­gung von Fang­mög­lich­kei­ten fehlt. Außer­dem lei­den beson­ders die Bestän­de im Mit­tel­meer noch unter mas­si­ver Über­fi­schung. Es bleibt also noch eine gan­ze Men­ge zu tun, bis die euro­päi­sche Fische­rei wirk­lich nach­hal­tig ist.

Ergeb­nis­pro­to­koll

PECH-Aus­schuss­sit­zung vom 30. August 2017

Tages­ord­nung und Doku­men­te

Video­auf­zeich­nung der Sit­zung

 

TOP 7: Aus­spra­che mit der Kom­mis­si­on über den Jah­res­be­richt über die Fort­schrit­te beim Errei­chen des höchst­mög­li­chen Dau­er­er­trags und über die Lage bei den Fisch­be­stän­den (Umset­zung von Arti­kel 50 der Ver­ord­nung (EU) Nr. 1380/2013)

Hin­ter­grund: Gemäß Arti­kel 50 der GFP-Grund­ver­ord­nung von 2013 ist die Kom­mis­si­on ver­pflich­tet, jähr­lich über den Fort­schritt beim Errei­chen des höchst­mög­li­chen Dau­er­er­trags und den Zustand der Fisch­be­stän­de zu berich­ten. Zusätz­lich habe der Bericht die sozio-öko­no­mi­schen Aspek­te der Fische­rei, die Umset­zung der Regio­na­li­sie­rung der GFP sowie den Umset­zungs­stand bei der Anlan­de­ver­pflich­tung berück­sich­tigt.

Zur Aus­spra­che: Eli­sa ROLLER (GD MARE) berich­te­te von einem posi­ti­ven Trend im Nord­at­lan­tik, wo 39 von 66 Bestän­den und 61% der Fän­ge ins­ge­samt inner­halb der Ziel­wer­te für die fische­rei­li­che Sterb­lich­keit (FMSY) bewirt­schaf­tet wer­den.

Im Mit­tel­meer erge­be sich ein völ­lig ande­res Bild—hier wür­den nicht sel­ten die Ziel­wer­te um das zwei– bis drei­fa­che über­schrit­ten. Vie­le Bestän­de sei­en somit sehr stark über­fischt. Dort wo über­fischt wur­de, sei­en auch die wirt­schaft­li­chen Erträ­ge gerin­ger aus­ge­fal­len.

Ins­ge­samt habe das Jahr 2014 jedoch Rekord­ge­win­ne für die Fische­rei bedeu­tet. Einer­seits hin­ge dies mit einer bes­se­ren Balan­ce zwi­schen Kapa­zi­tät und Fang­mög­lich­kei­ten zusam­men, ande­rer­seits aber auch mit stei­gen­den Fang­mög­lich­kei­ten bei nach­hal­tig bewirt­schaf­te­ten Bestän­den und nied­ri­gem Ölpreis.

ROLLER lob­te die Fort­schrit­te in der Regio­na­li­sie­rung der GFP. Ins­ge­samt habe die Kom­mis­si­on 15 gemein­sa­me Emp­feh­lun­gen als Grund­la­ge für dele­gier­te Rechts­ak­te erhal­ten. Gleich­zei­tig sei man mit den nur sie­ben gemein­sa­men Emp­feh­lun­gen für die Fische­rei in Natu­ra2000-Gebie­ten noch nicht zufrie­den und hof­fe, dass sich hier die Arbei­ten künf­tig beschleu­ni­gen. Aus­drück­lich gelobt wur­de die bera­ten­de Rol­le der Bei­rä­te, die die­se sehr aktiv wahr­neh­men.

Zur Umset­zung der Anlan­de­ver­pflich­tung lie­fer­te ROLLER eini­ge Zah­len und Fak­ten.

In allen EU-Gewäs­sern fie­len die pel­agi­schen und die indus­tri­el­len Arten bereits unter die Anlan­de­ver­pflich­tung. Zudem gel­te die Anlan­de­ver­pflich­tung bereits für alle Fische­rei­en in der Ost­see und im Schwar­zen Meer. In der Nord­see sei­en bereits 82% aller Arten mit Fang­be­schrän­kun­gen und 28% der Grund­fisch­be­stän­de abge­deckt. Im Mit­tel­meer sind es 17% der Grund­fisch­be­stän­de und 29% der Arten mit Min­dest­re­fe­renz­grö­ßen.

Her­aus­for­de­run­gen bei der Umset­zung der Anlan­de­ver­pflich­tung sei­en wei­ter­hin die  limi­tie­ren­den Arten (cho­ke spe­ci­es), das Hand­ling und  die Lage­rung, die Ver­mark­tung, Daten zu Rück­wür­fen sowie effek­ti­ve Umset­zung und Kon­trol­le.

Zuletzt ver­wies ROLLER auf das Semi­nar „Sta­te of fish stocks and the eco­no­mic per­for­mance of fishing fleets“, wel­ches am 26.09.2017 in Brüs­sel statt­fin­den wird.

In der anschlie­ßen­den Fra­ge­run­de äußer­ten die Abge­ord­ne­ten ins­be­son­de­re ihre Sor­ge über den Zustand der Bestän­de im Mit­tel­meer. Aber auch für ande­re Mee­res­be­cken wur­de gefragt, wie man z.B. mit denen vie­len nicht­quo­tier­ten Arten umgin­ge (Ricar­do SERRÃO SANTOS, S&D, PT), ob man auch aus­rei­chend Daten zur Biomasse—und nicht nur zur fische­rei­li­chen Sterblichkeit—von ICES erfra­ge (Ulri­ke RODUST, S&D, DE) und ob genug für die Umset­zung und Kon­trol­le getan wer­de (Richard CORBETT, S&D, UK).

ROLLER wies dar­auf hin, dass die Daten­la­ge bei quo­tier­ten Arten bes­ser sei und ICES auf­ge­for­dert wird auch Wer­te zur Bio­mas­se der Bestän­de zu lie­fern. Die Bestands­grö­ße sei jedoch nicht immer zu ermit­teln und es sei ohne ent­spre­chen­de Daten nicht mög­lich, Höchst­fang­men­gen für alle Arten fest­zu­le­gen. Auf die Fra­ge von CORBETT ant­wor­te­te sie, dass zwar weni­ger Beob­ach­ter an Bord gewe­sen sein, jedoch nicht weni­ger Kon­trol­len statt­ge­fun­den hät­ten. Der Grund für die Mit­tel­um­wid­mung weg vom Bereich Kon­trol­le läge nicht am man­geln­den Inter­es­se der Mit­glied­staa­ten, son­dern an der feh­len­den Ver­wal­tungs­ka­pa­zi­tät, die­se Mit­tel zu absor­bie­ren.

 

TOP 8: Vor­stel­lung einer vom Fische­rei­aus­schuss ange­for­der­ten Stu­die zur inter­na­tio­na­len Mee­res­po­li­tik

Die Auto­ren der Stu­die kri­ti­sier­ten zunächst, dass die gemein­sa­me Erklä­rung der Hohen Ver­tre­te­rin für Außen- und Sicher­heits­po­li­tik und der Kom­mis­si­on zur inter­na­tio­na­len Mee­res­po­li­tik den bestehen­den Hand­lungs­rah­men außer Acht las­se. Mit dem Fokus auf Fische­rei in der inter­na­tio­na­len Mee­res­po­li­tik nahm die Stu­die die regio­na­len Kon­ven­tio­nen (RC) sowie die regio­na­len Fische­rei­be­wirt­schaf­tungs­or­ga­ni­sa­tio­nen (RFMO) und deren Koope­ra­ti­on und Zusam­men­spiel unter die Lupe.

Sie konn­ten fest­stel­len, dass RC und RFMO oft die glei­chen Zie­le ver­folg­ten. Posi­tiv sei vor allem das Bei­spiel des Nord­ost Atlan­tik, wo die regio­na­le Kon­ven­ti­on OSPAR mit den regio­na­len (NEACF) und arten­be­zo­ge­nen (ICCAT, NASCO) Fische­rei­or­ga­ni­sa­tio­nen koope­rie­re. Im Mit­tel­meer sei die Koope­ra­ti­on (zwi­schen GFCM, ICCAT und der Bar­ce­lo­na Kon­ven­ti­on) eher tech­ni­scher Natur, wäh­rend in der Ost­see HELCOM auch ohne eine RFMO recht aktiv zur Fische­rei arbei­te.

Absichts­er­klä­run­gen zwi­schen RFMO und RC hät­ten sich als ein pro­ba­tes Mit­tel zur Insti­tu­tio­na­li­sie­rung der Koope­ra­ti­on erwie­sen.

Grund­sätz­lich wur­de von den Auto­ren der Stu­die emp­foh­len, von euro­päi­scher Sei­te den Infor­ma­ti­ons­aus­tausch auch zwi­schen Mee­res­be­cken zu begüns­ti­gen und Min­dest­stan­dards für die Koope­ra­ti­on zwi­schen RC und RFMO zu emp­feh­len.

Die EU sol­le sich eben­falls dafür ein­set­zen, Fische­rei stär­ker in die umfas­sen­den umwelt­po­li­ti­schen Zie­le ein­zu­bin­den.

 

TOP 9: Aus­spra­che über die Ex-post-Bewer­tung des Euro­päi­schen Fische­rei­fonds (EFF)

Eli­sa ROLLER (GD MARE) stell­te für die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on die Stu­die vor, die das För­der­pro­gramm der letz­ten mehr­jäh­ri­gen Haus­halts­pe­ri­ode (2007–2013) bewer­te­te.

Die Finan­zie­rungs­prio­ri­tä­ten hät­ten gezeigt, dass das Pro­gramm in die Zeit der Welt­wirt­schafts­kri­se fiel. Posi­tiv war hier­bei der Fokus auf das Far­net-Pro­gramm für die wirt­schaft­li­che För­de­rung von Fische­r­ei­ge­mein­den. Bei dem nach­fol­ge Pro­gramm, das im EMFF jetzt CLLD heißt, sei es jedoch wich­tig dar­auf zu ach­ten, das Zusam­men­spiel und die Syn­er­gi­en mit ande­ren För­der­pro­gram­men sicher­zu­stel­len.

Gene­rell sei beim EFF ent­täu­schend gewe­sen, dass in den Mit­glied­staa­ten oft wenig fokus­siert geför­dert wur­de und die Mit­tel für klei­ne und hand­werk­li­che Fische­rei kaum abge­schöpft wor­den sei­en.

Sie ver­wies abschlie­ßend auf eine Kon­fe­renz, die am 12. und 13. Okto­ber in Tal­linn den Umset­zungs­stand des EMFF (2014–2020) beleuch­ten und die Dis­kus­si­on zur Aus­ge­stal­tung des nächs­ten Pro­gramms für die För­der­pe­ri­ode 2020–2027 ansto­ßen soll.

 

TOP 10: Bericht über die Rei­se einer Aus­schuss-dele­ga­ti­on nach Meck­len­burg-Vor­pom­mern (Juli 2017)

Als Abge­ord­ne­ter, der die Dele­ga­ti­ons­rei­se orga­ni­siert hat­te, schil­der­te Wer­ner KUHN (EVP, DE) kurz das Pro­gramm und die Ein­drü­cke.

Neben dem Besuch des Thü­nen-Insti­tuts für Ost­see­fi­sche­rei, wo die Abge­ord­ne­ten über die Wis­sen­schaft zu den Fang­quo­ten und über moder­ne Fang­ge­rä­te infor­miert wur­den, traf sich die Aus­schuss­de­le­ga­ti­on mit Frei­zeit­fi­schern in War­ne­mün­de und besuch­te den Betrieb Euro­bal­tic in Sass­nitz. Wäh­rend für Euro­bal­tic als ver­ar­bei­ten­dem Betrieb vor allem das The­ma Brex­it und Fische­rei zen­tral steht, inter­es­sier­ten sich die Frei­zeit­fi­scher für die wei­te­re Ent­wick­lung bei Tages­fan­gli­mits, wie sie für 2017 für den west­li­chen Ost­see­dorsch gel­ten.

KUHN ging abschlie­ßend auf den Fraß­druck durch Kor­moran­be­stän­de und Kegel­rob­ben in Meck­len­burg-Vor­pom­mern ein, der die Akteu­re vor Ort sehr beschäf­ti­ge.

Nächs­te Sit­zung: 25.09.2017 um 15:00 Uhr

 

 

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