Ulrike Rodust

Für Schleswig-Holstein in Europa

21. September 2017

Europäisches Parlament
Handel mit Kleinwaffen und leichten Waffen kontrollieren

Zum ers­ten Mal seit dem Ende des Kal­ten Krie­ges 1990 hat der welt­wei­te Waf­fen­han­del wie­der deut­lich zuge­legt. Die USA, Russ­land und die Euro­päi­sche Uni­on sind dabei die trei­ben­den Akteu­re. Gleich­zei­tig ster­ben jähr­lich eine hal­be Mil­li­on Men­schen durch die auf über knapp 900 Mil­lio­nen geschätz­ten Klein- und Leicht­waf­fen wie Maschi­nen­pis­to­len, Revol­ver, Minen und Hand­gra­na­ten. Auf die­se bedroh­li­chen Fak­ten und erschre­cken­de Ent­wick­lun­gen weist mein Bericht hin, der in die­ser Woche bei der Ple­nar­ta­gung der Euro­Lat-Ver­samm­lung in San Sal­va­dor abge­stimmt wur­de.

Der lega­le Han­del mit Klein­waf­fen und leich­ten Waf­fen stellt eine Her­aus­for­de­rung für Euro­pa, Latein­ame­ri­ka und die Kari­bik und die gan­ze Welt dar. Denn oft wer­den aus lega­len Waf­fen ille­ga­le: Zahl­rei­che Waf­fen kom­men abhan­den, wer­den gestoh­len oder ille­gal wei­ter­ver­kauft. Die EU-Kom­mis­si­on geht davon aus, dass in Euro­pa 79 Pro­zent der Feu­er­waf­fen nicht legal sind, das ent­spricht 67 Mil­lio­nen Stück — allein in der EU!

Von den der­zeit welt­weit etwa 875 Mil­lio­nen Klein­waf­fen und leich­ten Waf­fen befin­den sich 75 Pro­zent in den Hän­den von Zivi­lis­ten. 70 Pro­zent des Waf­fen­han­dels davon fal­len auf die USA, Chi­na, Frank­reich, Groß­bri­tan­ni­en und Russ­land — also die fünf stän­di­gen Mit­glie­der des Sicher­heits­rats der UN. Es muss uns bewusst wer­den, dass die Kon­trol­le von Klein­waf­fen kein unwich­ti­ges Neben­the­ma ist, son­dern eine der Grund­la­gen für Sta­bi­li­tät, Sicher­heit und sozia­le und wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung.

Anders­her­um gilt, dass über­all da wo eine effek­ti­ve Kon­trol­le nicht statt­fin­det, klei­ne und leich­te Waf­fen viel­fäl­ti­ge Pro­ble­me nach sich zie­hen. Die Ver­füg­bar­keit von Waf­fen und Muni­ti­on sowie deren Besitz und Ein­satz haben einen erheb­li­chen Ein­fluss auf die Dyna­mik einer Kri­se und wir­ken immer gewalt­ver­stär­kend. Ter­ro­ris­mus, orga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät, Ban­den­kri­mi­na­li­tät aber auch häus­li­che und geschlechts­spe­zi­fi­sche Gewalt sind unmit­tel­ba­re Kon­se­quen­zen der direk­ten Ver­füg­bar­keit von Waf­fen. Die Pro­li­fe­ra­ti­on ille­ga­ler Klein­waf­fen beein­träch­tigt die öko­no­mi­sche und sozia­le Ent­wick­lung eines Lan­des maß­geb­lich. Die durch­schnitt­li­che Ver­wen­dungs­dau­er von 30 bis 50 Jah­ren sowie die selbst für Kin­der leich­te Bedien­bar­keit machen Klein­waf­fen zu moder­nen Mas­sen­ver­nich­tungs­waf­fen.

Um uns die­ser Ver­ant­wor­tung als Gesetz­ge­ber und Kon­trol­leu­re der Regie­run­gen Rech­nung zu tra­gen, habe ich, gemein­sam mit mei­ner mexi­ka­ni­schen Kol­le­gin Gabrie­la Cue­vas, einen Berichts­ent­wurf zum The­ma „Han­del mit Klein­waf­fen und leich­ten Waf­fen“ erar­bei­tet, der die­se Woche auf der gemein­sa­men Sit­zung abge­stimmt wur­de. Wie bereits in den ver­gan­ge­nen Sit­zun­gen von Euro­lat erläu­tert, sind mir dar­in vor allem drei Punk­te wich­tig:

Auf inter­na­tio­na­ler Ebe­ne muss ers­tens die Umset­zung bestehen­der Abkom­men stär­ker kon­trol­liert und geför­dert wer­den. Der inter­na­tio­na­le Rah­men zur Kon­trol­le des Han­dels mit Klein­waf­fen und leich­ten Waf­fen umfasst eine Rei­he von Instru­men­ten, durch die kon­ven­tio­nel­le Waf­fen und die dazu­ge­hö­ri­ge Muni­ti­on auf ver­schie­de­nen Ebe­nen regu­liert wer­den. Dazu gehö­ren inter­na­tio­na­le Abkom­men der UN genau­so wie bila­te­ra­le Ver­ein­ba­rung oder Abkom­men auf regio­na­ler Zusam­men­ar­beit inner­halb Latein­ame­ri­kas und der EU.

Ich begrü­ße es sehr, dass 2013 der UN-Ver­trag über den Waf­fen­han­del (auch ATT-Ver­trag genannt) von 130 Län­dern unter­zeich­net wur­de. Die­ser Ver­trag ist das welt­weit ers­te rechts­ver­bind­li­che Instru­ment, durch das der inter­na­tio­na­le Trans­fer des größ­ten Teils an kon­ven­tio­nel­len Waf­fen sowie an Muni­ti­on und Bestand­tei­len gere­gelt wird. All die­se Pro­gram­me und Ver­ein­ba­run­gen gegen die ille­ga­le Her­stel­lung und den ille­ga­len Han­del stel­len bei der Anwen­dung in der Pra­xis aber nur dann einen posi­ti­ven Ent­wick­lungs­schritt dar, wenn die Staa­ten sich unein­ge­schränkt an ihre im Ver­trag ein­ge­gan­ge­nen Ver­pflich­tun­gen hal­ten. Hier müs­sen wir den Druck erhö­hen. Die Ein­hal­tung von Trans­pa­renz- und Rechen­schafts­vor­schrif­ten ist z. B. unab­ding­bar für den Erfolg die­ser Ver­ein­ba­run­gen.

Zwei­tens müs­sen dar­über hin­aus zusätz­li­che ver­bind­li­che inter­na­tio­na­le Richt­li­ni­en geschaf­fen wer­den, die die inter­na­tio­na­len Rechts­in­stru­men­te ver­schär­fen. Dar­un­ter fal­len bei­spiels­wei­se Vor­schrif­ten zum Trans­fer kon­ven­tio­nel­ler Waf­fen, zur stär­ke­ren Aus­fuhr­kon­trol­le, zu einer bes­se­ren Kenn­zeich­nung und Rück­ver­folg­bar­keit sowie die Kon­trol­le von Ver­mitt­lungs­ge­schäf­ten. Staa­ten müs­sen den Her­stel­lern und Expor­teu­ren ein­deu­ti­ge Vor­schrif­ten auf­er­le­gen, damit die­se nicht in den ille­ga­len Han­del gelan­gen, und die­se Vor­schrif­ten auch ange­mes­sen kon­trol­lie­ren.

Drit­tens müs­sen wir Dritt­län­der unter­stüt­zen und sie in die Lage ver­set­zen, effek­tiv gegen den ille­ga­len Han­del von Waf­fen ankämp­fen zu kön­nen. Dazu gehört finan­zi­el­le, aber auch admi­nis­tra­ti­ve Hil­fe beim Kapa­zi­täts­auf­bau und der Aneig­nung von Exper­ti­se. Die jewei­li­gen Jus­tiz- und Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den müs­sen in die Lage ver­setzt wer­den, ihre Ver­ant­wor­tung im Bereich des Waf­fen­han­dels gerecht zu wer­den und die inter­na­tio­nal gel­ten­den Rechts­vor­schrif­ten durch­set­zen zu kön­nen.

Zu die­sem Bericht sind ins­ge­samt 49 Ände­rungs­an­trä­ge ein­ge­gan­gen, und an wich­ti­gen Stel­len konn­ten wir Kom­pro­mis­se über alle Frak­tio­nen hin­weg for­mu­lie­ren. Ich möch­te den Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen herz­lich für ihre Arbeit dan­ken und bin über­zeugt, dass wir gemein­sam einen star­ken Bericht erar­bei­tet haben. Wir müs­sen die durch den Gebrauch von Klein­waf­fen und leich­ten Waf­fen beding­te Gewalt stär­ker bekämp­fen und alles in unse­rer Macht Ste­hen­de tun, um die Lage in unse­ren Län­dern zu ver­bes­sern. Der deut­sche Bun­des­prä­si­dent und ehe­ma­li­ge Außen­mi­nis­ter Frank-Wal­ter Stein­mei­er beton­te, dass die Kon­trol­le von Klein­waf­fen eine der Grund­la­gen für Sta­bi­li­tät, Sicher­heit und sozia­le und wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung. Die­sem Auf­ruf soll­ten auch wir Fol­ge leis­ten und gemein­sam nach Kräf­ten die Gewalt im Zusam­men­hang mit Klein­waf­fen und leich­ten Waf­fen bekämp­fen und Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men ergrei­fen.

Eine Welt, in der der Han­del mit Klein­waf­fen und leich­ten Waf­fen ange­mes­sen kon­trol­liert wird, ist eine Welt, in der Frie­den, Gerech­tig­keit und soli­de Insti­tu­tio­nen wahr­schein­li­cher sind. Wir als Volks­ver­tre­ter haben die Auf­ga­be, eine sol­che Welt nach Kräf­ten zu ermög­li­chen. Des­halb freue ich mich über die Unter­stüt­zung für den gemein­sa­men Berichts­ent­wurf.

 

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